MAISON GUSTAAF

GUSTAAF 00Unmittelbar neben einer viel befahrenen Autobahn, irgendwo in der belgischen Provinz , befindet sich dieser kleine, verlassene Bauernhof. Obwohl die Ställe und die Wagenhalle, bis auf altes Stroh auf dem Boden komplett leer sind, wirkt es im Wohnhaus teilweise so, als wären seine ehemaligen Bewohner nur mal eben kurz fort gegangen. In den Schränken hängen noch Kleider, Fotos stehen auf den Schränken, die Betten sind gemacht, ein Fahrrad steht in einem Zimmer, Bekleidung für die Stallarbeit hängt direkt daneben. Doch geben ins Haus hineinwachsendes Efeu und zahlreiche Spinnweben ein anderes Zeugnis ab: hier lebt seit Jahren niemand mehr. Über die Geschichte oder das Schicksal seiner Bewohner weiß ich leider nichts.  Ich muß auch ehrlich sagen, nachdem dies die erste Location dieser Art war, die ich besucht habe, daß dies – glaube ich – nicht wirklich so mein Ding ist. Das ist mir irgendwie zu voyeuristisch und zu intim. Vor allem ohne die Geschichte oder das Schicksal zu kennen, welches damit verbunden ist. Da empfinde ich Industrieanlagen oder Gefängnisse :mrgreen: doch als deutlich „ehrlicher“. Noch sind der Hof und seine Einrichtung gut in Schuß. Allerdings ist es bei dem Betrieb, der dort im Moment herrscht, nur eine Frage der Zeit bis sich das wohl leider ändert. Bereits jetzt wirkt vieles arrangiert und dekoriert. Alleine während unseres kurzen Aufenthaltes dort, kamen 5 weitere Fotografen an, um den Hof abzulichten. …

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17 Gedanken zu “MAISON GUSTAAF

  1. Was für mich faszinierend ist, dass hier aus den Dingen die Menschen spürbar werden, die sie umgeben haben. Die Dinge in einer bestimmten Weise „beseelt“ sind. Ich finde das wunderbar! Wie selten kommt dies vor in der Objektfotografie, Architekturfotografie etc.. Daher vielleicht aber auch dieses Problem mit dem „intimen“? Ich würde trotzdem dranbleiben – vielleicht ein wenig herausfinden über die Geschichte des Ortes und seiner Menschen…
    M.F.

    • Das ist eine schöne Sichtweise die Du da hast. Vielleicht mache ich mir da auch einfach zu viele oder zu unnötige Gedanken. Mal sehen was sich in dieser Richtung noch so ergibt. 😉
      Gruß
      Stefan

  2. Wie immer sehr schöne Aufnahmen von Dir! Aber das mit der Intimität stimmt. Man kommt sich hier wie ein Eindringling vor. Die fehlende Anonymität löst hier etwas Beklemmendes beim Betrachter aus. Kann sehr gut nachvollziehen, daß Du diese Fototour so schnell nicht wiederholst.
    Schönes Wochenende wünscht Dir
    kiki

  3. I absolutely love this series of photos and what an experience it must have been. There is so much you could read into it. I wonder though why the owners didn’t come back or if they had to leave in a hurry. Very fascinating and mysterious 🙂

  4. Wunderschöne Aufnahmen, die so natürlich nur an früheren „privaten“ Orten möglich sind. Aber, es ist halt auch sehr privat. Ähnliche …hm … Beklemmungen hatte ich vor kurzem in Immerath, einer Garzweiler Geisterstadt. Dort ist es auch möglich in einigen Häuser rein zu gehen, und obwohl die völlig ausgeräumt sind, fühlt man sich als Eindringling. In Fabriken ist es mir niemals so gegangen und in den dortigen Verwaltungsgebäuden findet man ja machmal auch interessante Motive, die etwas mit den Menschen zu tun haben, die dort gearbeitet haben. Die etwas mehr „Seele“ haben.
    Grüße.

    • Was soll ich Dir sagen Jörg…
      Da sind wir wohl einer Meinung, das Orte an denen Menschen „nur“ gearbeitet haben eine ganz andere Ausstrahlung haben, als Orte an denen Menschen gelebt haben. Das ist einfach ein Eingriff in etwas sehr privates. Irgendwie… 😉 Und Immerath ist noch mal eine ganz andere Nummer. Da ist es nicht nur ein Haus oder eine Wohnung, sondern ein ganzes Dorf, welches einem vor Augen führt, wie schnell ein vertrautes Umfeld oder Leben sich radikal verändern kann oder ganz vorbei ist.
      Gruß
      Stefan

  5. Hallo Stefan,
    eine schöne Serie, die du hier zeigst. Ich habe neulich ein ähnliches Maison in Belgien besucht, kein Vandalismus, aber ebenfalls vieles dekoriert, dennoch sehr persönlich das Ganze: handschriftliche Briefe der Kinder, Fotos, Todesanzeigen, alles noch komplett eingerichtet, da hat man schon das Gefühl, die Intimsphäre der ehemaligen Eigentümer zu verletzen.
    Alle Bilder werde ich von diesem Ort sicher auch nicht hochladen. Trotzdem ein intensives und spannendes Erlebnis so etwas!
    Gruß, der pottfotograf

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