THYSSEN SINTERANLAGE

DSC04058 KopieDas Gelände auf dem die ehemalige Sinteranlage steht wurde seit ungefähr 1910 industriell zum Abkippen von Schlacke genutzt.
In den 50er Jahren wurde vom Besitzer des Geländes, der Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke, die Errichtung einer Sinteranlage beschlossen, um kürzere Transportwege an das Hochofenwerk in Duisburg-Ruhrort zu schaffen.
Dazu mussten zunächst 500.000 Kubikmeter Hochofenschlacke abgebaggert werden um das Areal für den Bau zu erschliessen, weitere 75.000 Kubikmeter Boden wurden zur Hinterfüllung benötigt. Für das Erzlager, die Tiefbunkeranlage und die Fundamente wurden 32.000 Kubikmeter Beton verarbeitet und 21.000 m2 Stahlbetondecken und Sohlenplatten hergestellt. Die Stalkonstruktionen erforderten 8000 t und die Maschinen 3700 t Stahl. Die Baukosten betrugen etwa 40 Millionen Mark.

Die Sinteranlage ist im Sommer 1957 nach zwei Jahren Bauzeit in Betrieb genommen worden. Zwei Jahre später erfolgte eine nochmalige Erweiterung der Anlage. 1964 übernahm die August Thyssen-Hütte AG, Phoenix-Rheinrohr und somit auch die Produktionsanlagen in Ruhrort, Beeck und Meiderich. Die Sinteranlage diente der Stückigmachung von Feinerzen, die aufgrund ihrer geringen Korngröße den Hochofen “verstopft” hätten. Deshalb wurden die Feinerze auf einem Förderband, dem so genannten Sinterband, unter Zugabe von Gichtstaub und Koks mittels Gas gezündet und sie backten dann unter der Hitze zu größeren Stücken zusammen. Nach Kühlung und Brechung des Sintermaterials konnte es im Hochofen eingesetzt werden.

Täglich wurden 4000 t Sinter abgesiebt. Die Feinerze, der Gichtstaub und die erforderlichen Brennstoffe konnten an der Sinteranlage entweder sofort in die sogenannten Spitzbunker entleert oder auf das 200.000 t fassende Lager gelegt werden. Für die Feinerze standen insgesamt 20 Spitzbunker in zwei Reihen mit einem Fassungsvermögen von je 175 Kubikmeter zur Verfügung. Aus ihnen werden die einzelnen Sorten durch Drehteller ausgetragen und mit einem Förderband weiterbefördert. Nachdem auf einem Sieb alle gröberen Bestandteile ausgeschieden wurden erfolgte die Zugabe des Rückgutes auf einem zweiten Förderband. Eine geneigte Mischtrommel mit einer Durchgangsleistung von 500 Tonnen in der Stunde, in die Feinerze, Gichtstaub, Rückgut, Brennstoff und Wasser gelangen, hat die Aufgaben, eine gründliche Vermengung vorzunehmen und für eine Krümelung des Einsatzes zu sorgen, die für gute Gasdurchlässigkeit der Mischung auf dem Sinterband erforderlich ist. Am unteren Ende der Mischtrommel wird die Sintermischung auf ein Transportband ausgetragen, dass bei einer Länge von 160 m einen Höhenunterschied von insgesamt 45 m überwindet. Querbänder sorgen für die Verteilung der Sintermischung in die Zwischenbunker von je 90 Kubikmeter Fassungsvermögen, die sich über jeder der beiden Sintermaschinen befinden. Von hier aus erfolgt die Ausgabe auf die beiden Sinterbänder.
Dann erfolgte zunächst die Zündung der Sintermischung mit Gichtgas, wobei etwa 80 cbm pro t Sinter verbraucht werden. Am Ende des Bandes wird der nun fertige Sinterkuchen abgeworfen und ein Vorbrecher sorgt für die Zerkleinerung zu grosser Stücke. Über das Warmsieb, auf dem die feinen Anteile ausgeschieden werden, gelangt der gebrochene Sinter auf das Kühlband. Das Material wird von 800 bis 1000 °C auf etwa 100 bis 150 °C abgekühlt, indem Kaltluft von oben durchgesaugt wird. Nach der Kühlung läuft der Sinter über Siebe, auf denen die restlichen Feinanteile entfernt werden.

Insgesamt 100 Beschäftigte sorgten in drei Schichten für den reibungslosen Ablauf. 36 Schlosser und 15 Elektriker wurden für die Wartung eingesetzt.

Die Sinteranlage hat im Sommer 1983 den Betrieb eingestellt. Grund hierfür war maßgeblich die Stahlkrise, die den Thyssen-Konzern zu umfassenden Rationalisierungsmaßnahmen zwang. Die Roheisen- und Stahlproduktion wurde sukzessive, wie auch schon in den Jahren zuvor, am produktionstechnisch günstigsten Standort am Rhein, bei der August Thyssen-Hütte in Hamborn, konzentriert.

Bis 1995 wurde das Gelände von einer Firma für Schlackenaufbereitung genutzt.
Seit dem findet hier ein schleichender Verfall statt, der nicht nur vom scheinbar üblichen Vandalismus beschleunigt wird. Neben der obligatorischen Sprayerszene treiben hier noch zusätzlich ganz massiv Kabelratten und Metalldiebe, die z.T. ganze Treppen und Laufgitter demontieren, ihr Unwesen.
Für eine weitere Nutzung des Areal gab es mittlerweile verschiedenste Überlegungen, von denen bisher jedoch keine realisiert wurde. Ob und wie es hier irgend wann einmal weitergeht ist also noch völlig offen.

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5 Gedanken zu “THYSSEN SINTERANLAGE

  1. Den Text habe ich mir nicht durchgelesen – ich bin ja wegen der Bilder hier. Sind mir zwar wieder zu viele Bilder, aber durchweg tolle Aufnahmen. Allein Deine Blendenwahl kann ich hin und wieder nicht nachvollziehen. Bei Bildern wo es auf durchgängige Schärfe ankommt wählst Du f/3,5 dann mal f/18 wo sicherlich schon die Beugungsunschärfe eintritt. Hat das einen besonderen Grund, den ich nicht verstehe / kenne?
    Egal, man sieht, dass Du Spaß an der Fotografie hast – weiter so!

    • Hallo Jörg !
      Tja mit der Technik ist das bei mir in der Tat noch so ein Thema 😉
      Da muss ich unbedingt dran arbeiten…..
      Wo die Blende 18 herkommt weiß ich allerdings echt nicht, da die 5 Bilder für das HDR mit 8 gemacht sind.
      Auch die 5 Sekunden stimmen nicht…… Keinen Schimmer was da los ist.
      Bei Bild 4 liege ich allerdings mit meiner 3,5 mal völlig daneben 😀

      • Macht ja offensichtlich nichts, denn bei den Brennweiten ist die Schärfentiefe groß genug. Bei längeren Brennweiten wirst Du aber Ausschuß produzieren, wenn Du darauf nicht achtest. Du zeigst aber auf beeindruckende Art, das die Beherrschung der Technik nicht immer wichtig ist.

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